Die Wirtschaft
Eine der Haupteinnahmequellen der Kolonie ist die Milchproduktion. Die Milchfabrik hat im Jahre 2003 rund 70.000.000 liter
Milch verarbeitet. Die meiste dieser Milch wurde für pasteurisierte Frischmilch und UHT-Milch verarbeitet.
In Lolita befindet sich eine Abteilung der Molkerei, wo die Milch aus Südmenno aufgekauft wird.
Ein Teil dieser Milch wird in Lolita zu Käse verarbeitet. Der Rest wird gekühlt nach Loma Plata transportiert.
Die geografische Lage der Kolonie hat gewisse Vorteile für die Viehzucht.
Im Jahre 2002 wurde im Chaco eine der größten Schlachthöfe des Landes, mit einer Kapazität von 450 bis 500 Rinder pro Tag,
gebaut. Die Tiere werden hauptsächlich von den Bürgern aufgekauft.
Zusätzlich wurde eine Wurstfabrik mit eingebaut. Hier werden täglich zwischen 5.000 und 7.000 kg Wurst hergestellt.
Andere bedeutende Produkte, wenn auch in kleineren Mengen, sind Baumwolle, Erdnüsse und Sorghum.
Auch werden Gemüse und Feldfrüchte für den lokalen Markt von den Bürgern angebaut, wie Tomaten, Wassermelonen, Paprika,
Mamonen und süsser Maiz. Der Sorghum wird für Mischfutter verwendet. Jährlich werden rund 14.000.000 kg Mischfutter
hergestellt, das für die Milchproduktion und zur Schweinemast verwendet wird.
Eine effektive Acker- und Viehwirtschaft
braucht auch eine gute Beratung. Dazu wurde der Servicio Agropequario gegründet. Von hier aus wird den Produzenten
technische Beratung geboten. Der große Fortschritt im Fleisch-, Milch- und Ackerbaubereich ist auf eine efficiente
technische Beratung zurückzuführen.
Vom Servicio Agropequario aus werden auch Anstrengungen zur genetischen Verbesserung der Tiere für Fleisch und
Milchproduktion gemacht. Der Servicio Agropequario berät die Bauern ebenfalls in der Fütterung ihrer Tiere
sowie auch in der Anpflanzung von Kunstweiden. Der Servicio Agropequario ist bestrebt, den Bauern in einer
nachhaltigen Entwicklung und Produktion anzuleiten.
Das Industriewerk in Loma Plata hat eine Baumwollentkernungsanlage und eine Fabrik für Palo Santoeszenz.
Weiter hat die Kolonie Menno ihr eigenes Transportwesen, das die Produkte zum Nationalen Markt transportiert.
Die meisten Bürger sind Mitglied der Kooperative. Die Kooperative kümmert sich um die Verarbeitung der
Produkte und versorgt die Bürger mit den notwendigen Produkten und Artikeln, die sie im allgemeinen brauchen.
Dieser Lebenstil ist nur möglich, weil er auf biblischen Prinzipien und einer von positiven Werten geprägten Tradition aufgebaut wurde. Das Moto hiess und heisst: Einer für alle und alle für einen.
Die Mennoniten sind die älteste evangelische Freikirche. Sie gehören zur Täuferbewegung, die im 16. Jahrhundert in
der Schweiz entstand. Die Täufer wollten als mündige Christen in der Nachfolge Jesu stehen und sich nur als
tatsächlich Gläubige in der Gemeinde zusammenfinden.
Deshalb lehnten sie die Kindertaufe ab und ließen sich als
Erwachsene auf das Bekenntnis ihres Glaubens taufen. Sie verweigerten zudem den Kriegsdienst und wollten sich von
der Obrigkeit in Kirchangelegenheiten nicht hineinreden lassen.
Der niederländische Wanderprediger Menno Simons sammelte und festigte viele dieser Täufer, die bald darauf „Mennoniten“
genannt wurden und die, wie alle anderen täuferischen Bewegungen auch, immer wieder verfolgt und vertrieben wurden.
So waren im 18. Jahrhundert zahlreiche mennonitische Niederlassungen in Russland entstanden, die jedoch durch die
bolschewistische Revolution 1917 in große Not gerieten.
Ein Teil dieser Siedler konnte 1929 fluchtartig die Sowjetunion
verlassen, wurde von Paraguay aufgenommen und gründete hier ein Jahr später die Kolonie Fernheim.
In Asunción hatte der Kongreß bereits am 22. Juli 1921 ein Sondergesetz erlassen, das zukünftigen einwanderungswilligen
mennonitischen Kolonisationsgruppen verschiedene Privilegien einräumte, wie z.B. Religions- und Schwurfreiheit,
Befreiung vom Wehrdienst oder das Recht auf eigene Schulen und Erziehungsanstalten.
Im Gegenzug erwartete Paraguay
die Besiedlung und wirtschaftliche Erschließung des noch unberührten Chacos.
Auf diesem Hintergrund entstanden hier die Chacokolonien Fernheim, Menno und Neuland, die durch den legalen Sonderstatus,
die geographische Isolation und die „mennonitische Theologie“ interne Normen entwickelten, die heute auch das zunehmende
Interesse der nationalen Öffentlichkeit erhält.
Am 31. Oktober 1930 kommt die erste Ausgabe der deutschsprachigen Zeitschrift „Mennoblatt“ heraus. Das im „Offset“
gedruckte Mennoblatt hat heute 12 Seiten und erscheint zweimal im Monat für etwa 2.400 Abonnenten, davon 850 im Ausland.
1961 Nach fünfjährigen Bauarbeiten wird die Trans-Chaco-Straße eröffnet. Sie ersetzt damit den bisherigen
Handelsweg über die Bahnstation „Fred Engen“ zum Paraguayfluß. Es dauert aber noch fast 30 Jahre,
bis der Streckenabschnitt bis nach Filadelfia asphaltiert wird. Das kolonieseigene Straßennetz von etwa
1.000 km besteht jedoch auch heute immer noch aus Erdwegen, die mit Straßenhobel instand gehalten werden.
Vielvölkerregion zentraler Chaco
Im zentralen Chaco leben heute unterschiedliche Volksgruppen, dazu gehören 17.000 Indianer
aus mehreren Stämmen, 13.900 deutschsprechende Siedler und etwa 4.000 Lateinparaguayer.
Zu Beginn des letzten Jahrhunderts sah die demographische Situation hier noch ganz anders aus:
Einige hundert Lenguaindianer durchstreiften den Chacobusch nach Wild und Früchten.
Als dann spä:ter die Kolonien Fernheim, Menno und Neuland entstanden, waren die Lengua den
Neuankömmlingen friedlich gesonnen. In Fernheim konnte deshalb der neu gegründete Missionsbund
„Licht den Indianern“ schon gleich nach dem Chacokrieg mit einer missionarischen Tätigkeit beginnen,
aus der bis heute 20 verschiedene indianische Kirchengemeinden mit über 4.000 Gläubigen entstanden sind.
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