Kolonie Loma Plata im Chaco - Paraguay

Woher kommen diese Mennoniten?

Aus Kanada kommen die ersten Mennoniten nach Paraguay 1919 kam die erste Delegation.

Als in Russland 1874 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, wanderte eine Gruppe nach Kanada aus. Besonders betroffen fühlten sich die Mennoniten in Kanada, als kurz nach dem ersten Weltkrieg der Unterricht ohne Religiosunterricht in englischer Sprache von englischen Lehrern durchgeführt wurde. Kennzeichnend für die rührende Naivität ihrer Frömmigkeit war der dem Auswanderungsbeschluss damals vorher gegangene, vergebliche Protest, man dürfe sie nicht zwingen, ihre Kinder auf englisch beten zu lehren, "denn Gott spreche doch deutsch" (Plattdeutsch).


Careta Schon 1919 wurde eine Delegation nach Südamerika entsandt, um eine neue Heimat für Auswanderer zu suchen.
Die Zeitung LIBERAL schreibt am 30.August 1920:
General Mc.Roberts weilt in unserem Land und legt unserer Regierung die Frage vor, ob sie gewillt wäre, eine grosse Siedlung von Tausenden von Mitgliedern einer religiösen Sekte, genannt Mennoniten, anzulegen.Sie wünschen ihre eigene Sprache zu pflegen, ihre Gewohnheiten und ihre religiösen Bräuche einzuhalten. Auch wünschen sie vom Militärdienst befreit zu sein.

Man sagt, diese Leute seien sehr arbeitssam und sehr gewissenhaft in der Beachtung der Ordnungen ihrer Religion. Sie sind reich. Es wollen etwa 40.000 von ihnen nach Paraguay kommen. Sie bringen alles notwendige mit sich, um eine blühende Siedlung zu entwickeln. Das Siedlungsland werden sie auf eigene Rechnung erwerben, auch sonst alles, was notwendig sein wird, um den Ackerbau zu betreiben.

Die Regierung von Paraguay lud die Mennoniten von Kanada großzügig ein, in ihr Land zu kommen. Es kamen im Jahre 1927 1.743 Mennoniten aus Kanada an. Sie warteten im Hafen von Puerto Casado vom 31.12. 1926 bis Februar 1927, als die erste Gruppe sich in die Wildnis mit Axt, Spaten und Pflug begab. (Friesen) Diese Pioniere kannten bisher nur Siedlungsgebiete mit langen kalten Wintern und kamen in ein Tropenland. Selbst die Ernährung und Ackerbau in tropischen Gebieten war ihnen unbekannt.

Heute, also 2005, ist Loma Plata ein Zentrum vieler Ansiedler aus Kanada. Die Bevölkerung ist auf 10 000 Einwohner angewachsen und ist die größte Kolonie in Südamerka und Paraguay.



Die Kolonie Menno


Careta Die Kolonie Menno ist eine Koloniesationsgesellschaft im Zentralen Chaco, deren Einwohner Mennoniten deustcher Herkunft sind. Die Kolonie Menno zählt rund 9 000 Bürger. Diese wohnen auf einer Fläche von rund 750.000 ha, die sie bebauen. Loma Plata ist das Zentrum der Kolonie Menno und hat 3 330 Einwohner. In Loma Plata hat auch die Verwaltung der Kolonie ihren Sitz. Hier befinden sich die Haupteinrichtungen zur Verarbeitung der Produkte, Werkstätten, Privatgeschäfte und Sozialeinrichtungen, wie Schulen, Krankenhaus, Altenheim und Heime für behinderte Personen. Auch die Abteilungen Para Todo, Lolita, Buena Vista und Campo Leon sind Zentren für die jeweiligen Bezirke. Die meisten Bürger wohnen in den 102 Dörfern der Kolonie Menno. In einem Dorf wohnen zwischen vier und zwanzig Familien. Die Haupteinnahmen der Bürger kommen von der Milch- und Fleischproduktion. Es werden aber auch Baumwolle, Erdnüsse und Sorghum angebaut.



Careta

Soziale Dienstleistungen

Um den Kranken, Alten und Behinderten eine effiziente und gerechte Behandlung zukommen zu lassen, hat die Kolonie mit den Jahren verschiedene Institutionen zu diesem Zweck eingerichtet. Darunter ist das Krankenhaus, das Altenheim, Heime für Behinderte, die Beschützende Werkstatt und eine Krankenversicherung, die sowohl den Arbeitern als auch den Bauern zur Verfügung steht.

Krankenhaus

In den ersten Jahren gab es keine professionelle ärtzliche Hilfe. Manchmal erhielt man ärztliche Hilfe von den Militärärzten oder man musste zur Nachbarkolonie Fernheim fahren. Wenn es sich um komplizierte Fälle handelte, musste man den beschwerlichen Weg nach Asuncion antreten. Im allgemeinen wurden nur Hausmittel angewandt. Erst im Jahre 1947 wurde das erste Krankenhaus gebaut. Heute hat die Kolonie Menno ein modernes Krankenhaus mit 75 Betten, 8 vollzeitig angestellten Ãrzten und 50 Krankenpflegern, die sowohl die Mennobürger als auch die Nachbarn betreuen. Das Krankenhaus betreibt zusätzlich auch eine Schule für Krankenpfleger, in der das nötige Pflegepersonal ausgebildet wird. In den Abteilungen von Para Todo und Lolita sind ebenfalls Gesundheitszentren eingerichtet worden, in denen den Bewohnern vor Ort medizinische Hilfe geboten wird. Dadurch wird vielen die lange Reise zum Zentrum in Loma Plata erspart.

Alten und Pflegeheim

Im Jahre 1995 wurde in Loma Plata ein Heim für Alte und Pflegebedürftige errichtet. In diesem Gebäude gibt es Einzelwohnungen für ältere Ehepaare oder auch Alleinstehende. Die meisten leben so lange wie möglich in ihren eigenen Wohnungen. Die Senioren dürfen sich auch im Altenviertel eine Privatwohnung kaufen. Diese sind meist zentrisch gelegen und bestehen in Loma Plata, Lolita und Para Todo. Von hier aus haben sie leichten Zutritt zu den verschiedenen Kolonieeinrichtungen.

Bildung und Erziehung


Concienciación Das Bildungswesen hat sich aus einem einfachen Anfang heraus entwickelt. In den ersten Jahren hatte jedes Dorf eine eigene Schule. Es war Pflicht, die ersten sechs Schuljahre zu besuchen. Der Bau der Schule, die Anstellung der Lehrer und die Bezahlung derselben waren Aufgabe eines jeden Dorfes. Die Lehrer hatten, wenn überhaupt, eine sehr schwache Ausbildung. Mit den Jahren haben führende und zukunftsweisende Personen aus Gemeinde und Verwaltung Fortbildungskurse und Seminare für die Lehrer eingeführt. In den 50er Jahren fing man mit der Schaffung einer Sekundarausbildung an. Diese wurde erst 1973 vom Erziehungsministerium anerkannt. Bis zum Jahre 1980 hatte man alle Primarschulen in Bezirke zentralisiert. Dazu wurde die Kolonie Menno in 11 Bezirke aufgeteilt und pro Bezirk wurde dann je eine Schule gebaut. Dadurch wurde eine bessere Verteilung des didaktischen Materials sowie auch eine bessere Nutzung der Lehrkräfte gewährleistet. In diesen Schule erteilen 146 Lehrer den Unterricht an 2005 Schülern. Das Colegio Secundario in dem von der 7. bis zur 9. Klasse und von der 1. bis zur 3. der Mittelstufe unterrichtet wird, befindet sich in Loma Plata. Die Einführung der 7. bis zur 9. Klasse in den Bezirksschulen soll den Schülern den weiten Weg bis nach Loma Plata ersparen.

Ein Land – viele Kulturen


Careta Als die Mennoniten in den Chaco einwanderten, siedelten sie auf dem Gebiet der Lengua-Indianer an. Dieser Indianerstamm zählte damals 600 Personen. Es entwickelte sich eine Beziehung des Vertrauens zwischen beiden Volksgruppen. Die Menoniten wurden die Arbeitsgeber, die sich auch um das Wohl der indianischen Familien kümmerten. Die rasche Vermehrung der indianischen Bevölkerung ist sowohl auf die hohe Geburtenrate als auch auf die Zuwanderung aus dem ganzen Chaco zurückzuführen. Um diesen verschiedenen ethnischen Gruppen beratend zu helfen, wurden das ASCIM gegründet. Diese Organisation ist in Zusammenarbeit mit den verschiedenen ethnischen Gruppen gegründet worden und bestrebt, den Indianern Land zu kaufen und sie dann auf ihrem eigenen Land anzusiedeln. Die meisten Indianer wohnen auf ihrem eigenem Landstück. Außerdem hilft die ASCIM den Indianern beratend in wirtschaftlichen und gesundheitlichen Fragen. Immer mehr Paraguayer wandern zu den mennonitischen Siedlungen. Die Verwaltungen der Mennoniten-Kolonien arbeiten mit der Departamentregierung und der Munizipalität zusammen. Die Kooperation mit den verschiedenen Volksgruppen befindet sich in der Entwicklungsphase.


Weitere Fragen? Wir antworten so gut wir können

Klick - Fortsetzung Seite 2             zurück