Chaco Colonie Neuland

Neuland - die jüngste Mennoniten-Kolonie im Chaco

HISTORISCHER HINTERGRUND UND ENTWICKLUNG

Geschichtliche Entwicklung:

 

Die Kolonie Neuland, die letzte der drei mennonitischen Kolonien im

paraguayischen Chaco, wurde im Jahre 1947 gegründet. Die Siedler waren aus der Ukraine stammende Flüchtlinge, die nach Paraguay ausgewandert waren, nachdem sie nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Jahre in verschiedenen Flüchtlingslagern in Deutschland verbracht hatten.
 
Der mennonitische Glaube gehört der evangelischen Kirche an. Seine wichtigsten Grundsätze sind: die Trennung von Staat und Kirche, die Glaubenstaufe und die Ablehnung von Gewalt. 
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Am 22. Januar 1948 gab man der neu gegründeten Kolonie den Namen Neuland. Die insgesamt 2 331 Personen zählenden Immigranten ließen sich in 27 Dörfern ungefähr 20 km vom Zentrum entfernt nieder.  

In Neu-Halbstadt, in dem am zentralsten gelegenen Dorf, wurden die Einrichtungen der Kooperative, das Krankenhaus und die Verwaltung errichtet. Jedes Dorf hatte eine Schule, die gleichzeitig die Funktionen einer Kirche und eines Versammlungsraums erfüllte. Gegenwärtig leben ca. 1700 Menschen in 23 Dörfern in der Kolonie Neuland. Doch das soziale Leben spielt sich immer mehr in der Stadt Neu-Halbstadt (Schule, Kirche, Handel usw.) ab.  

Die wichtigsten Ziele einer mennonitischen Gemeinde sind die folgenden:

1. Einen Ort zu finden, wo sie sich (traditionsgemäß) der Landwirtschaft widmen und Gebrauch von den Schätzen der Natur machen können.

2. Den Kindern eine angemessene Ausbildung bieten.

3. Dem Mitglied eine angemessene Infrastruktur bieten, um einen unverzüglichen Fortschritt zu ermöglichen.

4. Die Einrichtung von Gesundheitszentren für alle Krankheiten.

5. Den Glauben frei zu bekunden und das Evangelium von der Erlösung durch Jesus Christus zu verbreiten.

6. Materielle Hilfeleistung für die sich in der Nähe befindenden Nachbarn. Die Suche nach einem harmonischen Zusammenleben mit dem Nächsten.

7. Die Hauptsorge ist die Suche nach familiärem und sozialem Wohlergehen der Genossenschaftspartner.

Wirtschaftliche Situation:

Im Folgenden werden wir uns ein wenig die wirtschaftliche Entwicklung der Kolonie Neuland anhand einiger statistischer Jahresdaten anschauen:

 
Jahr
1950
1975
1998
Fläche in ha
75.000
124.000
204.458
Bevölkerung
2.404
987
1.700
landwirtschaftliche Nutzfläche in ha
562
1.573
3.962
Weidefläche in ha  
15.140
102.490
Rinder
4.098
23.043
101.055
Traktoren  
21
263
Kleinlastwagen  
52
350
Bruttoproduktion in Tausend U$S  
6.743
18.945

Die aufgeführten Daten zeigen, daß die Kolonie 
sich wesentlich schneller in den
letzten Jahren 
entwickelt hat, vielleicht aufgrund  
verschiedenartiger Faktoren wie: 
größere Unterstützung von Seiten der  
Regierung in den siebziger bis achtziger Jahren,  
eine aggressivere Kolonieverwaltung seit den 
siebziger Jahren und günstigere klimatische 
Bedingungen. 

Doch obwohl die Wirtschaft, wie es oben die Tabelle zeigt, sehr schnell gewachsen ist, können wir nicht die schwierige Lage vergessen, in der wir uns in den letzten 3 Jahren befunden haben. Die Landwirtschaft, die traditionsgemäß der stärkste Produktionsbereich in der Kolonie gewesen ist, trägt heute mit kaum 6 % zum Gesamtproduktionseinkommen bei. Das ist auf einen einschneidenden Preisrückgang zurückzuführen, und infolgedessen ist die Rentabilität der wirtschaftlichen Produkte gesunken. Auch die Milch- und Rinderproduktion muß täglich eine geringere Gewinnspanne hinnehmen.


Menno In Zukunft wird nur derjenige überleben, der seinen Bleistift spitzt und seine Kosten so weit wie möglich anpaßt. Abgesehen von dem bereits Erwähnten erholt sich unsere Wirtschaft gerade von einer schweren Trockenheit vom vergangenen Jahr. Die Kooperative Neuland mußte vielen Produzenten Refinanzierungen gewähren. Leider können wir nicht mit der Unterstützung von seiten der Regierung rechnen bei dieser schwierigen Aufgabe der Neuberechnung noch ausstehender Schulden. 

Die Kooperativa selbst mußte sich mit Geldmitteln ihrer Sparer und privater Banken dieser Situation stellen. Doch in dem Bewußtsein, daß die Mehrzahl der inländischen Produzenten dasselbe passierte, haben wir es akzeptiert und versucht, nur unsere Probleme zu lösen.

Faktoren, die den Fortschritt möglich machten:
  • Einigung macht stark (eine Kultur, ein Glaube, ein Ziel) 
  • Derjenige, der durchhält, siegt: Nichts wäre möglich gewesen, wenn unsere Eltern zu Beginn nicht soviel Durchhaltevermögen aufgebracht hätten. Sie haben sich weder vom Klima, von der unsicheren Lebenssituation noch von den verschiedenen Widrigkeiten, mit denen sie in den Anfangsjahren zu kämpfen hatten, unterkriegen lassen. 
  • Das Streben nach Fortschritt: Die meisten Kolonisten geben sich zufrieden, wenn sie ihren täglichen Unterhalt haben. Sie wollen vorankommen und wirtschaftliche Sicherheit für sich und ihre Kinder erlangen. 
  • Kenntnis von den Vorteilen des Chaco: Viele Jahre lang wurden der Chaco und seine Möglichkeiten zur Produktion studiert. Heute können wir sagen, daß man einen hohen Wissensstand von den Möglichkeiten des Chaco erreicht hat. 
  • Kenntnis von den Nachteilen: Wenn man die Irrtümer kennt, begeht man weniger Fehler. 
  • Mit den Nachbarn zusammenarbeiten und einen hohen sozialen Sicherheitsstand erreichen. 
  • Unterstützung von Seiten der Regierung für Verbindungswege nach Asunción (Landstraße, Telefonnetz usw.). 
Sich in der Entwicklung befindende Projekte:
Die Kooperativa Neuland, die vielleicht nicht die äußerst schwierige wirtschaftliche Situation, die das Land durchmacht, kennt, führt sehr wichtige Investitionsprojekte durch: 
  • Das Gefrierhaus Ciclo II in Mariano Roque Alonso, wo das Fleisch aus eigener Produktion für den lokalen Markt und für den Export verarbeitet werden wird. 
  • Fabrik zur Herstellung von Fertigprodukten: Hierbei handelt es sich um ein neues Unternehmen, das die Produktionsvielfalt in unserem Gebiet sowie die vorhandenen Arbeitskräfte nutzbar machen will. 


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