Kolonie Fernheim II

Fortsetzung Seite 2

Entnommen der Broschüre: Kolonie Fernheim „Entdecken Sie eine Lebenslektion“.

1937 Drittel der Einwanderer siedelt wegen der schwierigen Wirtschaftsverhältnisse nach Ostparaguay aus und gründet dort die Kolonie Friesland.


Fernheim 1941 Es kommt der erste fest angestellte mennonitische Arzt nach Fernheim. Die medizinische Versorgung kann sich allmählich konsolidieren. Heute arbeiten im Krankenhaus von Filadelfia mehrere Ärzte und modernes medizinisches Gerät wird eingesetzt, wie z.B. Röntgen- und Ultraschallapparate sowie Brutkasten u.a. Pro Jahr werden 16.000 Sprechstunden durchgeführt. 8.500 werden von Bürgern der Kolonie gebraucht, 1.000 von indianischen Einwohnern und 6.500 von Leuten aus der Umgebung der Siedlung.

1947 Eine erste Landepiste wird in Filadelfia fertiggestellt. 1948 landet hier das erste Flugzeug. Ab 1954 werden mit DC-3 Maschinen des „Transporte Aéreo Militar“ (TAM) regelmäßige Fracht- und Personentransportflüge von und nach Asunción durchgeführt.

1948 27 Magnettelefonapparate, die noch vor dem zweiten Weltkrieg aus Deutschland eingetroffen waren, werden in Filadelfia und in 17 Dörfern installiert. Dieses Telefonnetz wurde später stark ausgeweitet und ist bis heute in Betrieb. Erst 1988 erhielt der zentrale Chaco ein modernes Telefonnetz durch ANTELCO mit Anschluss an das nationale und internationale Netz.


Stimmung 1951 Die „Kolonie-Zechen“, die gleichmäßige Pflichtheranziehung aller Siedler zu gemeinschaftlicher Aufbauarbeit, werden abgeschafft, nachdem die Kolonie allmählich imstande ist, solche Arbeiten zu bezahlen.

1953 Ein erster Wirtschaftskredit von 76.000 U$-Dollar kommt zustande. Die wirtschaftliche Lage der Kolonie kann sich allmählich durch Anschaffungen wie Dampfkessel und Lichtgenerator, Ölpresse und Raffinerie sowie den Bau einer Milchverarbeitungsanlage konsolidieren. Das 1931 gegründete „Industriewerk“ wird zum Motor dieser Entwicklung: Palosantoekstrakt, Konfiterieerdnüsse, Erdnußöl und Baumwollballen bringen Bargeldeinnahmen. Heute können im Industriewerk täglich 55.000 kg Rohbaumwolle verarbeitet werden und 10 Mio. kg. Erdnüsse gelagert und verarbeitet werden. Wichtigstes Aufgabegebiet der kolonieeigenen Industrieanlage war die Versorgung mit elektrischem Strom, die mit Dampfturbinen gewährleistet wurde, wobei Dieselgeneratoren als Reserve angeschafft wurden. Ein Stromnetz von 500 km verteilt sich über die ganze Kolonie und versorgt die 1.900 Anschlüsse mit Strom. Am 26 April 1998 wurde dieses Netz an das nationale Stromversorgungsnetz der ANDE angeschlossen.


Nasenbaer 1961 Nach fünfjährigen Bauarbeiten wird die Trans-Chaco-Straße eröffnet. Sie ersetzt damit den bisherigen Handelsweg über die Bahnstation „Fred Engen“ zum Paraguayfluß. Es dauert aber noch fast 30 Jahre, bis der Streckenabschnitt bis nach Filadelfia asphaltiert wird. Das kolonieseigene Straßennetz von etwa 1.000 km besteht jedoch auch heute immer noch aus Erdwegen, die mit Straßenhobel instand gehalten werden.

1965 Gründung des „Fernheimer Sportvereins „(FSV), der heute über 200 Mitglieder zählt.


ARA 1971 Das nationale Maul und Klauenseuchebekämpfungsprogramm wird eingeführt. Die Viehhaltung gewinnt immer mehr an Bedeutung gegenüber den traditionellen Anbauprodukten wie Erdnüsse, Baumwolle, Sorghum oder Rizinus. Heute befinden sich in Fernheim auf einer Futtergrasfläche von 174.000 ha etwa 184.000 Rinder. 50.000 Kopf werden pro Jahr vermarktet. Um die bestehenden Viehzuchtbetriebe erweitern und neue anlegen zu können, werden 1994/95 rund 100.000 ha Land dazugekauft, wodurch das Landeigentum der Kolonie Fernheim bis auf 460.000 ha ansteigt. 1996 wird das Gelände in Mariano Roque Alonso mit Kühlkammern für 150 geschlachtete Rinder ausgebaut als Verteilerstelle für Frischfleisch. Die Milchverarbeitungsanlage CO_OP, die gemeinsam mit Neuland betrieben wird, erhält täglich 70.000 Liter Frischmilch, die zu Käse, Yoghurt, „Dulce“ und Butter verarbeitet wird. Durch die Herstellung von Flaschenmilch und haltbarer Milch in Tetra Pack Verpackungen wird die Verarbeitungskapazität 1996/97 um rund 9.000 lt./h erweitert. Um Milch- und Fleischvieh mit entsprechendem Kraftfutter zu versorgen, wird 1994 eine Futtermühle mit 5.000 Ton. Lagerkapazität und 50.000 kg Produktionskapazität pro Tag in Betrieb genommen.


Blumen 1972 Das paraguayische Genossenschaftsgesetz Nr. 349 tritt in Kraft. Diese Regelung gilt auch für die aus der Notwendigkeit heraus 1931 gegründete „Sociedad Cooperativa Colonizadora Fernheim“. Ihre Dienstleistungen waren damals und sind heute für die Genossenschaftsmitglieder von unschätzbarem Wert:
1. Absatzgarantie: Der größte Teil aller Erzeugnisse aus Land und Viehwirtschaft wird von der Kooperative aufgekauft, verarbeitet und/oder weiterverkauft.
2. Versorgung: Die Kooperative gründete in den ersten Kolonisationsjahren nicht nur die lebenswichtigen Konsumläden, sie ist bis heute auch eine Art „Ersatzbank“ für alle Angelegenheiten im Giro- und Sparkontobereich sowie bei der Vergabe von Krediten geblieben. 1993 wird der Neubau der Finanzabteilung in Betrieb genommen.
3. Altersvorsorge: Die Mitglieder erhalten eine jährliche Rückvergütung gemäß ihres Umsatzes, der auch bestimmend für die Kapitalerhöhung in Form von Aktien ist, die ab dem 65. Lebensjahr in 15 aufeinanderfolgenden Jahresraten zurückgezahlt werden. Neben der Genossenschaft wird das Wirtschaftsleben in der Kolonie von zahlreichen Privatgeschäften und Unternehmen vervollständigt.

1978 Eine neue Kranken- und Sozialversicherung tritt in Kraft, die auf gemeinnütziger Basis arbeitet. In der Kolonie existieren auch andere Versicherungen, wie z.B. gegen Orkan- und Feuerschäden sowie gegen Verkehrsunfälle und Diebstahl.

1979 Einweihung des Altenheims „Abendfrieden“, das heute 17 Personen beherbergt. Außerdem wurde 1996 das schon bestehende Pflegeheim erweitert, so daß heute 42 Personen dort intensiv gepflegt werden können.


Pferde 1987 Stiftung „COVE-CHACO“ wird gegründet, mit dem Ziel, nachbarschaftliche Hilfsprojekte für Lateinparaguayer in unmittelbarer Umgebung der Siedlung durchzuführen.

1989 Einweihung des Supermarktes.


1990 Dankgottesdienst zum 60 jährigen Jubiläum der Kolonie Fernheim auf demselben Trebolkamp, auf dem 1930 die ersten Flüchtlinge ankamen.

1993 Am 23. September 1993 wird die „Asociación Civil Mennonita Colonia Fernheim“ oder kurz „Asociación Fernheim“ gegründet, wodurch die sozialen Einrichtungen (Hospital, Schulen, usw.) von der Kooperative getrennt werden.

UNSERE NACHBARN

Vielvölkerregion zentraler Chaco



Im zentralen Chaco leben heute unterschiedliche Volksgruppen, dazu gehören 17.000 Indianer aus mehreren Stämmen, 13.900 deutschsprechende Siedler und etwa 4.000 Lateinparaguayer. Zu Beginn dieses Jahrhunderts sah die demographische Situation hier noch ganz anders aus: Einige hundert Lenguaindianer durchstreiften den Chacobusch nach Wild und Früchten. Als dann später die Kolonien Fernheim, Menno und Neuland entstanden, waren die Lengua den Neuankömmlingen friedlich genossen. In Fernheim konnte deshalb der neu gegründete Missionsbund „Licht den Indianern“ schon gleich nach dem Chacokrieg mit einer missionarischen Tätigkeit beginnen, aus der bis heute 20 verschiedene indianische Kirchengemeinden mit über 4.000 Gläubigen entstanden sind.


1961 wurde die Siedlungsbehörde ASCIM gegründet (siehe Seite Zentral Chaco),


Reiter durch die bis heute 11.000 Indianer auf 110.000 ha Land in 12 landwirtschaftlichen Niederlassungen ein Zuhause gefunden haben. Diese angesiedelten Indianer versuchen, durch Landwirtschaft und Viehzucht den Herausforderungen der modernen Zivilisation gerecht zu werden, Ohne ihre eigene kulturelle Identität dabei zu verlieren. Weitere 6.000 Indianer leben in verschiedenen Dorfgemeinschaften am Rande der deutsch-mennonitischen Siedlungszentren, gehen hier einer festen Arbeitsstelle nach oder sind Saisonarbeiter oder Tagelöhner. Außerdem sind viele Lateinparaguayer als Arbeiter beschäftigt, die entweder in Filadelfia leben oder in der Siedlung „Villa Choferes del Chaco“ ein eigenes Haus besitzen. Andere Lasteinparaguayer wohnen z.B. in Siedlungen wie Campo Vía, wo sie einer landwirtschaftlichen Tätigkeit nachgehen. Der Multikulturalismus im zentralen Chaco ist für alle Beteiligten immer wieder eine Herausforderung. Gleichzeitig ist aber auch das Bewusstsein zum gegenseitigen Verständnis und zur Toleranz gewachsen.

Homepage: "Alles über Mennoniten"

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... es sich gemeinsam gemütlich zu machen.